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Star-Anwalt Rolf Bossi hat eine Anklageschrift verfasst. |
Beschuldigt werden etliche Richter und Staatsanwälte, die seine mehr als 50 Jahre währende berufliche Laufbahn gekreuzt haben.Es ist vieles faul im Rechtsstaat Deutschland, befindet der Verteidiger solch bekannter Angeklagter wie Ingrid Bergen, Romy Schneider oder Vico Torriani. Doch von den Prominenten-Fällen ist in dem Buch nur am Rande die Rede, Bossis Beispiele stammen eher aus dem gerichtlichen Alltag. Die Vorwürfe, für die Bossi allerdings nur wenige Beweise vorlegt, sind zahlreich und harsch: Die Staats-Juristen kungeln nach Herzenslust, benachteiligen systematisch die Angeklagten und ihre Verteidiger, entziehen sich mit ungenauen Protokollen jeder späteren Kontrolle und fällen durch nichts gedeckte Abschreckungsurteile. Ihren Ursprung habe all diese Selbstherrlichkeit im Nationalsozialismus, den die deutschen Juristen für sich nie anständig aufgearbeitet hätten. An Bossis Kritikpunkten ist vieles nachvollziehbar, zum Beispiel das Fehlen einer zweiten Tatsacheninstanz bei Schwurgerichtsprozessen wie Mord und Totschlag. Auch die Probleme der Juristen mit der eigenen NS-Vergangenheit sind schon häufiger beschrieben und kritisiert worden. Und doch hinterlässt das flüssig geschriebene, ohne wissenschaftliches Beiwerk verfasste Pamphlet einen schalen Nachgeschmack. «Mir geht es nicht um eitle Selbstbespiegelung», versichert Bossi, der sich vor den Gerichten auch für Schwerverbrecher wie den Kindermörder Jürgen Bartsch und den Gladbecker Geiselgangster Dieter Degowski geschlagen hat. Doch glauben sollte man dem alten Anwalt nicht unbedingt: Denn eigentlich geht es ihm darum, in etlichen verlorenen Prozessen eigentlich doch Recht gehabt, aber nicht bekommen zu haben. Sich selbst hat Bossi jedenfalls nichts vorzuwerfen: «Vielen meiner Mandanten konnte ich in Fällen skandalösen Justizunrechts allein deshalb nicht helfen, weil unser Rechtssystem es nicht zuließ.» Rolf Bossi Halbgötter in Schwarz. Deutschlands Justiz am Pranger Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 280 S., Euro 22,90 ISBN 3-8218-5609-2 |